julius01

    • Edit
    • Delete
    • Tags
    • Autopost

    Argumente gegen Streetview-Befürworter #Streetview

    2010-08-17_145826
    Mir scheint es mittlerweile so, als würde die Diskussion um Google Streetview als eine Stellvertreterdiskussion geführt.
    Da stellen sich diejenigen, die sich selbst als Netzbewohner sehen, beinahe vorbehaltslos auf die Seite von Googel und
    die anderen, die nur in ihren Eigenheimen leben und nicht im Netz, haben Angst, dass man sie und ihr Eigentum ablichtet und gegen
    ihren Willen in eine nicht näher beschriebene, sondern lediglich postulierte digitale Öffentlichkeit teleportiert.
    Streetview und ähnliche Angebot sind Hybride, eine Verschmelzung der Welten und darum entzündet sich daran die Diskussion.

    Der Meinungskampf droht bisweilen ins sektenhafte abzugleiten, wenn nur Positionen und Postulate ausgetauscht werden,
    besonders die Fantasielosigkeit und Argumentationsarmut bei den Befürwortern ist enttäuschend. Jetzt wäre doch die Zeit gekommen, die theoretischen Grundlagen zu legen.
    Einfach nur zu behaupten, diese digitale Öffentlichkeit sei etwas gott googlegegebenes und man müsse sich ihr fügen, ist zu wenig.
    Noch leben wir hier in einer Welt, in der wir die Bedingungen unseres Zusammenlebens verhandeln. Leider ist auch die Politik überfordert also
    müssen wir es selbst tun.

    Eine Schwachstelle bei den Befürwortern liegt in der Gleichsetzung von Öffentlichkeit und digitaler Öffentlichheit.
    Digitale Öffentlichkeit ist ein vielschichtiges Konstrukt mit unterschiedlichen Schichten und Räumen
    sowie Berechtigungsebenen. Sie ist im Gegensatz zur analogen Öffentlichkeit über entsprechende Schnittstellen:

     

    • umfassend,
    • allgegenwärtig verfügbar,
    • durchsuchbar
    • rekombinierbar
    • überstaatlich

    Für die, die am Rande stehen, ist sie nicht fassbar und erzeugt ein Gefühl der informationellen Fremdbestimmung. Insbesondere dort, wo neue Kontexte geschaffen werden, steigen
    viele aus. An diesem Punkt funktioniert die digitale Welt eben anders als die Realität.

    Warum diejenigen, die sich sonst gegen alle Maßnahmen der Zwangsdatenerhebung mit Händen und Füßen wehren, wenn sie von staatlichen Stellen
    betrieben wird, einem intransparenten Unternehmen vertrauen, vermag ich nicht zu begreifen. Da gibt es Pro-Streetview-Texte neben denen ein
    Banner zur Teilnahme an einer Demo u.a. gegen Videoüberwachung aufruft.

    Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich halte digitale Öffentlichkeit, besonders auf dem Gebiet der Politik, für einen Segen.
    Kartenmashups, Geodienste, soziale Netze usw. bereichern das Internet und dennoch muss es das Ziel sein, die Regeln für diese digitale Öffentlichkeit, die
    wir zu großen Teilen selbst durch unser im Netz sein (passiv oder aktiv - freiwillig oder unfreiwillig) gestalten, selbst zu bestimmen und sie eben
    nicht (nur) unternehmerischen Interessen zu überlassen.

     

    • 17 August 2010
    • Views
    • 1 Comment
    • Permalink
    • Tweet
    • 1 response
    • Like
    • Comment
    over 1 year ago mspro responded:
    Uff, das sind je einige Punkte. Also:

    "Der Meinungskampf droht bisweilen ins sektenhafte abzugleiten, wenn nur Positionen und Postulate ausgetauscht werden,
    besonders die Fantasielosigkeit und Argumentationsarmut bei den Befürwortern ist enttäuschend."

    -> Sorry, da musste ich jetzt echt mal lachen. Meinetwegen kann man gerne die Agrumente als phantasielos bezeichnen (finde ich übrigens nicht), sollte dann aber nicht vergessen, dass die SV Gegner GAR KEINE Argumente haben..

    "Einfach nur zu behaupten, diese digitale Öffentlichkeit sei etwas gott googlegegebenes und man müsse sich ihr fügen, ist zu wenig."

    -> habe ich im letzten Blogpost versucht.

    "Für die, die am Rande stehen, ist sie nicht fassbar und erzeugt ein Gefühl der informationellen Fremdbestimmung. Insbesondere dort, wo neue Kontexte geschaffen werden, steigen
    viele aus. An diesem Punkt funktioniert die digitale Welt eben anders als die Realität."

    -> In der Tat, da muss noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden. Man darf nicht naiv an diese Technologien herangehen. In meinen Texten mache ich immer klar, was Verknüpfbarkeit von in Sachen informationelle Selbstbestimmung bedeutet. Man darf da sicher nichts beschönigen. Statt dessen sollte man aber ungleich krasseren Vorteile einer transparenten Welt hervorkehren. Das ist jedenfalls mein Ansatz.

    "Da gibt es Pro-Streetview-Texte neben denen ein
    Banner zur Teilnahme an einer Demo u.a. gegen Videoüberwachung aufruft."

    -> Damit bin ja ich gemeint. Deswegen 1) Ich stehe zu einem Großteil der Ziele von FsA, weswegen ich für die Veranstaltung werbe. Ich bin - im Gegensatz zu manch anderen Bloggern - erwachsen genug, zu akzeptieren, dass jemand in bestimmten Belangen anderer Meinung sein kann und ich dennoch mit ihm gegen etwas anderes Demosntrieren kann.
    2) Staat vs. Google. Wenn der Staat Streetview betrieben hätte, würde niemand die Daten nutzen dürfen (Es sei denn er geht 8 mal zum Amt unterschreibt x Dokumente und darf dann ne halbe Stunde die "Akten einsehen". Google nimmt uns diese Daten nicht weg, sonder stellt sie uns zur Verfügung. Wenn man etwas kritisieren kann, dann höchstens, dass sie es nicht CC zur Verfügung stellen.

    Um das kurz auf eine einfache Formel zu bringen:

    monopolistische Datensammelei = überwachung = böse.
    transparente Datensammelei = Öffentlichkeitsschaffung = gut.

  • Julius Endert's Space

    Journalist | Autor | Produzent

    Blinkenlichten Produktionen |
    Twitter | Facebook | Xing | LinkedIn | Kontakt

    Impressum

    Julius Endert
    Bilker Allee 217
    40215 Düsseldorf

    Verantwortlicher im Sinne von § 5 TMG, § 55 RfStV:
    Julius Endert
    Bilker Allee 217
    40215 Düsseldorf
    fon 0211 210 77 200
    fax 0211 210 77 202
    julius.endert (at) blinkenlichten.com

    Archive

    2012 (14)
    January (14)
    2011 (113)
    December (1)
    November (6)
    October (18)
    September (15)
    August (18)
    July (8)
    June (13)
    April (5)
    March (9)
    February (10)
    January (10)
    2010 (211)
    December (19)
    November (13)
    October (7)
    September (5)
    August (13)
    July (21)
    June (24)
    May (26)
    April (23)
    March (23)
    February (12)
    January (25)
    2009 (59)
    December (25)
    November (19)
    October (15)
  • About Julius Endert

    Journalist | Autor | Produzent

    Blinkenlichten Produktionen |
    Twitter | Facebook | Xing | LinkedIn | Kontakt

    Impressum

    Julius Endert
    Bilker Allee 217
    40215 Düsseldorf

    Verantwortlicher im Sinne von § 5 TMG, § 55 RfStV:
    Julius Endert
    Bilker Allee 217
    40215 Düsseldorf
    fon 0211 210 77 200
    fax 0211 210 77 202
    julius.endert (at) blinkenlichten.com

  • Subscribe via RSS
  • Follow Me

Theme created for Posterous by Obox