Das letzte ehrliche Produkt auf diesem Planeten. Die konsequent zuende gedachte Zweckmäßigkeit. Es will nichts anderes sein als es ist. Es birgt weder Luxus, noch ein Produktversprechen oder gar einen USP. Es ist absolut nachhaltig und erfüllt damit ein Forderung unserer Zeit, obwohl es doch selbst ein Symbol einer vergangenen Zeit ist.
Die Zeit einer ehrlichen Mechanik, die das innere Verstehen der Dinge erlaubt, die uns umgeben. Der IC-Seifenspender ist konstruiert wie eine mechanische Glashütte-Uhr. Ein Rädchen greift in das andere. In jedem Lifestylemagazin begenen uns gleich mehrere Hochglanzanzeigen, die uns den Vorteil der zuverlässigen Mechanik dieser handgefertigten Chronographen näherbringen wollen. Einer Mechanik, die diese digitalen Zeiten übersteht und sich sogar selbst am Laufen halten kann. Was für ein Widerspruch zum ansonsten in diesen Heften geäußerten Fortschrittsglauben.
Der IC-Seifenspender stammt wie die Uhren aus einer Zeit, der klaren und direkten Kommunikation der Dinge mit dem Menschen. Der Mensch war es, der die Dinge beherrschte. Heute ist es genau umgekehrt.
Design-Rätsel in jedem Waschraum
Denn immer wenn wir heute einen moderen Waschraum betreten, müssen wir zunächst ein Designrätsel lösen, bevor wir uns die Hände waschen können. Früher war nicht alles besser. Eher im Gegenteil. Aber früher wußte jedes Kleinkind, sobald es laufen konnte, wie ein Wasserhahn funktioniert.
Heute wissen es nicht mal mehr die Erwachsenen. Und schlimmer noch: Sie können es dem Kleinkind auch nicht erklären. Linksrum, rechtsrum, Lichtschranke, Einhand-, Zweihand oder Fußbedienung, die Möglichkeiten des Produktdesigns bei einem Wasserhahn scheinen grenzenlos.
Vielleicht ist es das was wir meinen, wenn wir vom lebenslangen Lernen sprechen. Das Wissen um die Funktionsweise eines bestimmten Wasserhahn ist nutzloses Wissen, wir müssen es immer wieder neu lernen und bleiben so gedanklich flexibel. Vielleicht müssen wir bald das vor uns befindliche Modell scann und googeln, bevor das Wasser fließt.
Zeit des Gesten gesteuerten Lebens
Wir wechseln hinüber in eine Zeit des Gesten gesteuerten Lebens. Wischen, schieben, zeigen sind die Grundfunktionen der Navigation durch den Alltag - jeweils mit ungewissem Ausgang.
Denn auch jeder Automat funktionert anders. Der Mensch selbst ist zur App geworden. Er ist der Wurmfortsatz des Fahrkartenautomaten, dem er sich fügen muss, wenn er von A nach B reisen will.
Auf welches klägliche Maß sind wir zusammenschrumpft, haben uns selbst zum Befehlsempfänger von Maschinen gemacht: Geldautomaten, Fahrkartenautomaten und demnächst auch Supermarktkassen, an denen wir uns selbst bedienen.
Selbstbedienung ist überhaupt der schönste Euphemismus seit Erfindung des sich selbst reinigenden Backofens. Selbstbedienung ist unlogisch in sich selbst und niemand scheint es zu bemerken, dass damit die Selbstversklavung gemeint ist.
Was waren wir einst für stolze Wesen
Das Unterstellungsverhältnis unter die Arroganz einer Maschine, die den Vorgang einfach abbricht, wenn wir wiedermal zu blöd sind, die Logik ihrer inneren Entscheidungsbäume in weniger als drei Sekunden zu begreifen.
Klack, Klack, Klack, trocken rieselt die Seife auf die Handfläche, ich genieße diesen kurzen Augenblick in einer heilen Welt, in der Ursache und Wirkung noch in einem begreifbaren Verhältnis zueinander stehen und ich ganz Herr der Lage bin.
Was waren wir einst für stolze Wesen, die die Technik beherrschten. Danke liebe Bahn, dass du mich daran erinnerst.