Wenn Joachim Gauck wirklich Vorbild für einen anderen Stil in der Politik sein soll, wie Roland Nelles auf SPON schreibt, wo ist dann der neue Stil in der politschen Kommentierung? Diese entspricht meiner Meinung nach nämlich aktuell genau der alten Art Politik zu machen. Und insofern haben die Autoren wohl keine anderen, besseren? Politiker verdient. Oder sie wünschen sie sich erst gar nicht. Politische Berichterstattung folgt den Reflexen der Politik.
Der Berufspolitiker und der Berufskommentator haben sich sehr gut aneinander gewöhnt - im Duktus und im Denken: Beim aktuellen Thema: der Wahl des Bundespräsidenten, lesen sich die Überschriften der Kommentatoren wie vom Redemanuskript des Parteisoldaten abgetippt.
Debakel, Schmach, Niederlagen, Rücktritt, Blamage sind die derzeit meistgenannten Vokabeln. Und auch in den Blogs und auf Twitter hört sich das nicht anders an. Im Gegenteil: Häufig kommt noch eine Prise Häme oder einige vielleicht sogar lustig gemeinte Retweets hinzu.
über wulff kann man wenigstens frosch-witze machen und schauen, ob das schon verunglimpfung ist.Toll, passt ins Twitter-Eingabefeld und kann ohne Aufwand weiterverteilt werden.
Beide - klassische Presse und die presseähnlichen Erzeugnisse im Web - freuen sich daran, die Stimmung anzuheizen.
Ein neuer Stil in der Politik könnte aber genauso gut bei Berichterstattung und Kommentierung anfangen - also mit einem respektvollen Umgang untereinander, sachlicher Darstellung unter Verzicht auf den schnellen Lacher und den billigen Effekt (
Ausnahmen mag es auch da geben).
Es geht nicht um den Gutmenschen - im Gegenteil. Es geht darum, nicht den Gutmenschen raushängen zu lassen, um draufzuhauen wie bisher. Aber wer weiß, wenn sich Politik der Marke Gauck durchsetzt, vielleicht ändert sich dann auch der Stil der Berichterstattung.
„We are purpose not profit driven, we make journalism to inform people – just take it, don't pay,“ wenn Brian Storm so wie heute auf der Creative Business Convention in Köln über sein Projekt MediaStorm redet, erlebt man selbst als konferenzerfahrener Zuhörer eine gewisse Schrecksekunde: Das kann er doch jetzt alles nicht ernst meinen– hier und heute – wo wir ansonsten über Leistungsschutzrecht und stärkeren Schutz des Urheberrechts diskutieren.
Eigentlich müßte ja so eine Aussage verboten werden (höre ich die Verleger im Geiste rufen)! Denn nicht nur, dass Mediastorm die eigenen Inhalte für jedermann verfügbar macht, nein: Mediastorm ist eine Multimedia-Produktionsfirma, die im eigenen oder fremden Auftrag journalistische Inhalte produziert aber gerne auch Nachahmern oder Partnern in Kursen auch das eigene Geschäftsmodell erklärt und vermittelt, nach dem Motto: Umso mehr guter Journalismus produziert wird, umso besser für die Gesellschaft.
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