Julius von Bismarck hat mit dem image-fulgurator bereits von sich reden gemacht. Mit dem Gerät, welches aussieht wie eine etwas in die Jahre gekommene Radarpistole, hat er sich in den Wahrnehmungsprozess der Digitalkamera gehackt und dabei bei einigen Schnappschuss-Fotografen für ziemliche Irritation gesorgt, hier zu sehen in einem Youtube-Video. Denn mit dem von ihm als "Apparat zur minimal-invasiven Manipulation von Fotografien“ bezeichneten Gerät, schmuggelte er Bildinformationen in die Aufnahme, die die Wirklichkeit gar nicht hergibt (oder nicht herzugeben scheint).
Sein neues Projekt führt das Experiment mit der Wahrnehmung noch einen Schritt weiter. In "The Space beyond me" gelingt es ihm, den zeitlichen Ablauf der Ereignisse (und ihr Verblassen in der Erinnerung, sobald sie den Zeitpunkt des Jetzt durchschritten haben) aufzuzeichnen und in einen dreidimensionalen Raum zu projizieren.
In der Installation, die jetzt noch in der Aufstellung „Future Obscura“ in Berlin zu sehen ist, begibt sich der Zuschauer quasi in den Erinnerungsraum (das Gehrin) des Betrachters (der er selbst ist) eines historischen Dokumentarfilms, den v. Bismarck mit einer alten 16mm-Filmkamera, die er zu einem Projektor umgebaut hat, an die Wand eines igluförmigen Projektionsraum projiziert.
Eine Software und ein "Apparatus" sorgen dafür, das bei jedem Kameraschwenk und Einstellungswechsel der Projektor weiter wandert und das neue Bild auf einer anderen Fläche gezeigt wird. Diese wiederum ist mit einer phosphoreszierenden Farbe behandelt ist und das soeben projizierte Bild speichert, während die der Lichtstrahl des Kameraprojektor schon auf eine andere Stelle zeigt.
Die Farbe prägt sich also das Bild ein, so wie der Mensch seine Wahrnehmung. Und genau wie die in unserem Kopf gespeicherten Bilder, beginnen die Bilder auf der Wand sofort zu verblassen, wenn der Strahl der Jetzt-Zeit an einem anderen Ort ist.
Am Ende ist der gesamte Film auf die Wand gezeichnet und man kann durch diese (seine) Erinnerungen an den gereade gezeigten Film laufen – man sollte sich dabei etwas beeilen, dann nach ca. einer Stunde ist alles verschwunden.
(Fotos: Transmediale)