Angela Merkel sollte sich ihre Spin-Doctors in Gold aufwiegen lassen. Kaum droht das Thema Euro-Rettung / Griechen-Pleite durch den milliardenschweren Rechfehler bei der „Bad Bank“ der HRE vollends ins Absurde zu entgleiten, kickt sie das Thema ganz einfach aus den Schlagzeilen.
Jeder, der unter dem #occupy-Tag auf die Straße geht, muss sich doch verarscht vorkommen. Von einer Minute auf die andere, diskutieren alle über den Mindestlohn. Die Redaktionen springen brav über das Stöckchen, welches ihnen die Kanzlerin hinhält und steigen auf die Scheindebatte ein.
Die Chefs der HRE oder die Wirtschaftsprüfer der PWC müssen zum Rapport beim Finanzminister antanzen. Da haben Schüler, die beim Rauchen auf dem Schulhof erwischt werden, schlimmere Konsequenzen zu befürchten.
Ganz offenbar, leben wir in Zeiten, in der die Dimensionen verrutscht oder Paralleluniversen bereits Realität sind. Politiker hantieren mit Zahlen, von denen sie noch nicht mal mehr wissen, wieviel Nullen sie eigentlich haben und Stimmen über Gesetze ab, die sie noch nicht mal mehr ansatzweise verstehen.
Wer sich schon 1 Milliarde nicht vorstellen kann, für den ist es am Ende auch egal, um wieviel Milliarden es geht. Wenn Währung zur Rechenheit verkommt, passieren Fehler wie jetzt bei der HRE.
Und noch etwas anderes fällt auf: Hier hat eine gesellschaftliche Gruppe, die sich selbst als Elite definiert komplett versagt. Ihre Arroganz aber ist geblieben. Doch niemand aus der Politik traut sich das auszusprechen. Stattdessen wird jetzt über Mindestlohne und damit wieder über ganz kleine Zahlen definiert.
Zahlen, die sich der Redakteur und der Hinterbänkler wieder vorstellenb kann. Ich hoffe, jeder sieht, wie clever und gleichzeit perfide das ist.
Gerade ist eine interessante Studie des Project for Excellence in Journalism mit dem Titel: "The Tablet Revolution" erschienen. Befragt wurden 1.159 Nutzer. In der Studie finden sich wirklich einige Interessante Erkenntnisse zur Nutzung der digitalen Schiefertafeln.
Zum einen scheint es so zu sein, dass solche Geräte seine Nutzer schlauer macht. Denn die Forscher fanden heraus: Viele Tablet-Nutzer lesen nicht nur mehr, sie nutzen dazu mehr unterschiedliche Quellen und lesen sogar lange Texte.
A third (33%) of tablet news users say they are turning to new sources for news on their tablet, sources they had not turned to on other platforms such as television or their desktop computer. And, more than four in ten (42%) say they regularly read in-depth news articles and analysis on their tablet.
Wer so viel und intensiv ließt, wird vermutlich zwangsläufig schlauer. Interessant ist auch, dass Tablet-Nutzer ihre neuen, praktischen Tafeln dem PC vorziehen, dennoch aber nicht der Verlockung der (kostenpflichtigen) Apps verfallen! Viele haben gar keine Apps:
The study reveals that, so far, while about two-thirds of tablet news users have a news app on their tablet, the browser, carried over from the desktop experience, is still the more popular means of consuming news. A plurality of tablet news users (40%) say they get their news mainly through a web browser. Another 31% use news apps and the browser equally, while fewer, 21%, get their news primarily through apps.
Was das für die App-Verrückten Verlage bedeuten könnte, mag man sich gar nicht vorstellen. In der Studie heißt es: "Das Umsatzpotential könnte begrenzt sein." Paid Content my a... . Am bemerkenswertesten ist wohl noch die Zahl der Verbreitung der Tablets (in den USA) insgesamt:
Eighteen months after the introduction of the iPad,11% of U.S. adults now own a tablet computer of some kind. About half (53%) get news on their tablet every day, and they read long articles as well as get headlines.
Udo Vetter beim Vortrag im Coworking Space Garage Bilk zum Thema: Sicherheit beim Publizieren im Netz, featureing Bundestrojaner.
"Wenn das Internet ein rechtsfreier Raum sein sollte, dann haben die Ermittlungsbehörden in der letzten Zeit erheblich dazu beigetragen, nämlich durch eigenes rechtswidriges Verhalten", meint Udo Vetter, Strafverteidiger und Lawblog-Autor.
Bei seinem Vortrag im Coworking Space Garage Bilk ging es um das Publizieren im Netz im Allegemeinen und den Bundestrojaner im Besonderen.
Wie immer wenn Udo spricht, kommt dabei ein lehrreicher und unterhaltsamer Vortrag heraus, mit dem speziellen Udo-Trocken-Humor und kleinen Epsioden aus vergangenen Fällen. Außerdem: nützliche Handreichungen für den Umgang mit Polizisten, die einem beispielsweise bei einer Demo das Fotografieren untersagen wollen, nach dem Motto: Polizisten im Einsatz dürfen nie fotografiert werden. Das sei dann wohl eher die Märchenstunde, sagt Udo und nicht gesetzlich begründet, denn: Fotografieren geht immer - wenn Probleme auftauchen, dann evtl. bei einer späteren Veröffentlichung.
Skype zwingt uns angeblich zur Quellen-TKÜ
Den Bundestrojaner aber haben wir der bösen Firma Skype zu verdanken, meinte Udo und leitet dann die Begründung der Behörden her: Skype kooperiere angeblich nicht mit den Behörden und so sei die verschlüsselte Internettelefonie nicht anders abzuhören als durch einen Trojaner. Die Ermittlung müsse demnach an der Quelle, also auf den Rechnern der Verdächtigen stattfinden. Die Kurzfassung: Skype zwingt uns zur Quellen-TKÜ.
Doch "dieses Wundermittel der Ermittlungsbehörden" sei mit der Deutschen Rechtsordnung insbes. der Verfassung nicht vereinbar und nur bei schwersten Straftaten überhaupt möglich. Zulässig sei der Einsatz nur dann, wenn der Trojaner ausschließlich zur Überwachung des Telefonverkehrs stattfindet, nicht aber der gesamt Internetverkehr.
Der Staatstrojaner in seiner jetztigen Einsatzform aber entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nicht den Vorgaben der Verfassung und des Bundesverfassungsgerichtes, sagt Udo, denn er werde weit über das erlaubt Maß eingesetzt.
Der bayerische Innenminister lügt
Wenn der bayerische Innenminister behaupte, es sei alles nach Recht und Gesetz abgelaufen, entspricht das nicht der Wahrheit, bestätigt Udo. "Ich habs einfach nicht glauben wollen, dass sich ein Innenminister hinstellt und die Medien belügt."
Das Märchen vom bösen Internet sei eben nicht mehr als nur ein Märchen, so Udo: "Genau wie im wirklichen Leben sind mindesten 99,98 Prozent aller Aktivitäten im Internet nicht nur legal sondern sozial auch produktiv, meint Udo. Dass die Strafverfolgung im Internet schlechter sei als in der wirklichen Welt, sei ein Legende. Diese sei bewußt konstruiert. Das Netz ist kein rechtsfreier Raum, die Ermittlungsbehörden hätten in den letzten Jahren unheimlich aufgeholt und auch Ressourcen erhalten, um Straftaten aufzuklären und zu verfolgen.
Noch mehr Möglichkeiten für Behörden
Mit dem Trojaner wollen die Behörden noch weitergehende Möglichkeiten schaffen und nach Meinung von Udo Vetter besteht der Verdacht, dass man die Skype-Logik nur konstruiert habe, um die Trojanereinsätze zu rechtfertigen. "Ich weiß aus anderen Ländern, dass Skype mit den Ermittlungsbehörden kooperiert." Auch der neue Eigentümer von Skype (die Firma Microsoft) kooperiere sonst immer.
Das Problem: Keiner habe wohl so genau das Bundesverfassungsgerichts gelesen oder es werde ignoriert. Die Folge ist eine Vertrauenskrise: Weil gerade die Leute, die immer auf Einhaltung von Recht und Gesetz pochen, offensichtlich dokumentieren, dass dann, wenn es ihnen in den Kram passt - also das böse Internet besser unter Kontrolle zu bekommen - diese sich um die eigenen Vorgaben (insbesondere die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts) kaum kümmern.
PS: ein Videomitschnitt der Veranstaltung folgt demnächst
…. when measured in terms of readership, newspapers reach 2.3 billion people every day, 20 percent more than the 1.9 billion that the internet reaches world-wide.
Heißt es in einer Pressemeldung der World Association of Newspapers and News Publishers (WAN-IFRA). Wie kann das denn sein?Weltweit sank die täglich gedruckt Zeitungsauflage von 528 Millionen Exemplaren in 2009 um 2 Prozent auf 519 Million in 2010. Demnach wird jedes Exemplar im Schnitt von fast 5 Lesern gelesen.
Was ist schief an dieser Rechnung? Wo werden hier Offline-Äpfel mit digitalen Birnen verglichen? Wohl so: Es ist überhaupt kein vernünftiger Vergleich, denn wer würde die Anzahl der Telefonanschlüsse mit der Anzahl der täglich gelesenen Zeitungen vergleichen (die Zahlen nehme ich mal als gegeben hin).
Wenn, dann sollten die Leute von WAN-IFRA doch die Summe der Reichweite auf Nachrichten- und Informationsangleichen in Visits ermitteln und als Vergleichsbasis heranziehen. Spiegel Online beispielsweise hatte im September 135.463.542 Visits. Also bald 4,5 Millionen am Tag für ein einziges Angebot. Summiert über alle Medienangebote im Netz dürfte der Vergleich sicher anders ausfallen.
Machen sich hier die Zeitungsverleger die Welt, so wie sie ihnen gefällt. Wie passen die Zahlen beispielsweise zur ACTA. Diese hat der FAZ-Netzökonom gestern unter der Überschrift „Der Medienwandel hat sich nochmals beschleunigt“ analysiert. Demnach ist das Netz dabei, sich in einem rasanten Tempo den Platz als Informationsquelle Nr. 1 zu erobern. Für „junge“ Akademiker bis 39 Jahre ist das heute schon der Fall.
Mit der stärkeren Verbreitung (und besseren Leistungsfähigkeit) des mobilen Internets wird sich der Trend beschleunigen.
Aber was lesen wir noch in der Mitteilung: The new digital business is not the traditional newspaper business. Na, dann wird’s düster liebe Kollegen. Der Titel der Pressemitteilung: „Newspapers Still Reach More Than Internet “ erinnert an eine Pressemitteilung aus der vorletzten Jahrhundertwende: „Pferdedroschken befördern immer noch mehr Fahrgäste als Automobile“.