Töten als Sport; Screenshot USMC Special Operations
Wer Killer in den Krieg schickt, sollte sich nicht wundern, wenn diese sich wie Killer verhalten. Zumal wenn es sich noch um fast jugendliche Soldaten handelt, die, fern ihrer Heimat im amerikanischen Niemandsland, jetzt als "
Scout Sniper Team" im afghanischen Feindesland operieren.
Die Aufgaben eines solchen Scharfschützenkommandos werden wie folgt beschrieben:
„... is to use precision weapons to deny the enemy freedom of movement and disrupt their operations by shooting key personnel such as commanders, radio operators, messengers etc.“
Oder anders: Ihre Aufgabe ist das Töten. Von Moral, Anstand oder Werten ist aber nichts zu lesen. Aus einem einfachen Grund: Eine moralische Kriegsführung wurde noch nicht erfunden, denn Krieg bedeutet die Abwesenheit von Moral. Das gilt in besonderem Maße, wenn der Kampf archaisch im Modus: Mann gegen Mann – Auge um Auge geführt wird.
Frau Clinton, Herr Obama wissen das. Sie wissen, dass sie diese jungen Menschen einer eigentlich vom Menschen nicht auszuhaltenden Situation aussetzen: Wer mag moralisch Leben, wenn er weiß, dass er jederzeit sterben kann und sorry, die Gegner auf der anderen Seite auf die Moral scheißen? Töten oder getötet werden, ist die Urform des Konflikts, erzeugt das höchste Maß an Stress.
GI sind Regierungseigentum
Hinzu kommt:
Amerikansiche GI's sind „Regierungseigentum“. Sie handeln im Auftrag und für die US-Regierung und sind fast so etwas wie menschliche Drohnen. Sie sind von ihrer Psychologie mit anderen NATO-Soldaten nicht zu vergleichen. Sie tun nur das, und nur das, was man ihnen sagt. Sie werden so lange gedrillt, bis sie zu Quasi-Kampfrobotern geworden sind.
Jeder, der (so wie ich) einmal mit US-Soldaten zusammengearbeitet hat, weiß das. Wenn diese GI's eines Speziakkommandos nun auf ihre Feinde pinkeln, kann das zweierlei bedeuten: Entweder sie wurden durch Ausbildung und Krieg bis zum Letzten entmenschtlicht oder das Gegenteil ist der Fall: Weil sie ihren Überdruck an Stress loswerden müssen, ist ihre Handlung ein letzter Rest an menschlichem Verhalten.
Wer (aus der Generation Burnout) würde sich anschließend nicht erleichtern wollen, wenn er aus einem solchen Kampf als Sieger hervorgegangen ist? Soldaten haben das immer getan. Auch sehr viele brave deutsche Bürger entwickelten sich in der Uniform der Wehrmacht schnell zu mordenden Monstern! Seit neustem filmen sich Soldaten dabei, um zu dokumentieren: Ich lebe und dieser Taliban, der mich, meine Kameraden und seine Landsleute töten wollte, liegt jetzt da und ist tot.
Lutz Lindow kommentierte das sehr zutreffen auf Google+ so:
Die kognitive Dissonanz zwischen moralischer Grundhaltung, "Töte keinen Menschen", und tatsächlich vollzogener Handlung, der Tötung, führt zu Stress bei den Soldaten. Gemäß der Theorie der kognitiven Dissonanz streben Menschen danach, solche stressvollen Dissonanzen zu verringern. Die Handlung selbst kann hier nicht mehr korrigiert oder rückgängig gemacht werden. Pinkelt der Soldat aber nun auf sein Opfer, setzt er dieses moralisch herab, nimmt ihn seine Würde. Das Töten eines Würdelosen wird als nicht so schlimm empfunden, "er war ja nur ein Schwein". Hierdurch wird die ursprüngliche Dissonanz zwar nicht völlig aufgehoben, aber doch verringert.
Natürlich ist es entsetzlich, aber das Pinkeln auf die Getöteten kann für den stark emotional belasteten Soldaten tatsächlich eine entlastende Wirkung haben.
Mission accomplished! War es nicht genau das, was von uns verlangt wurde - diese Taliban zu töten? Noch mal: Wer Krieg will, soll sich bitte noch wundern, wenn er Krieg bekommt. Dass Krieg nun seit eine paar Jahren digital als das dokumentiert wird, was er ist, nämlich unmenschlich, ist die einzige (für viele in Politik und Öffentlichkeit offenbar neue) Erkenntnis.
Wenn fehlgelenkte NATO-Bomben wieder und wieder Zivilisten töten, reicht eine lapidare Entschuldigung, weil hier der Krieg im Technischen bleibt und Kollateraltote wohl nach westlichem Verständnis innerhalb der vermeintlichen moralischen Norm des Krieges liegen. Die moralische Integrität der kriegsführenden Parteien ist jedenfalls nicht in Gefahr, wenn unschuldige Männer, Frauen und Kinder im eigenen Land durch unsere Bomben sterben. Die Absurdität in der Beurteilung dieser Vorfälle und die Scheinheiligkeit der Entrüstung jetzt liegt wohl auf der Hand. Denn auch hier wird nicht das Töten der Taliban an sich verurteilt, sondern die anschließende Herabwürdigung der Toten.
Zu Klarstellung: Ich heiße das Verhalten der Soldaten in keiner Weise gut – aber ich kann es nachvollziehen.